Radblog

Nach langer Planungs- und Vorbereitungsphase samt eintägiger Proberadtour, dem Schreiben von Packlisten und Ein-Topf-Rezeptideen, dem Heraussuchen und Reservieren von Campingplätzen und dem Kümmern um die vielen anderen organisatorischen Dinge, ging es heute endlich los: Die fünf Radler, begleitet von einer Lernbegleiterin und einer Mutter, starteten ihre Radtour am Donauradweg!

 

Tag 1 (Montag)

Los ging’s (fast) pünktlich zu Schulbeginn (noch zu sechst). Nach dem Durchradeln der Stadt und einigen Kilometern der Donau entlang, stieß in St. Georgen dann das letzte Mitglied der Radler-Gang hinzu und zog von da an zum Ausgleich dann den Wagen mit dem Gepäck. Tapfer kämpfte sich die Truppe durch und schlussendlich lag unser erster Campingplatz in Grein dann schneller vor uns  als erwartet. Angekommen, ging das Aufbauen der Zelte überraschend schnell und unproblematisch vonstatten. Beim Erkunden der Stadt Grein fanden wir zwar kein gescheites Lebensmittelgeschäft, dafür aber einen Spielzeugladen, der uns einen Fußball verkaufte. Davor wurde natürlich noch gehörig diskutiert und gerechnet, ob das Gruppenbudget ein solches Investment zulässt. Ergebnis: ja! Die Errungenschaft wurde dann am benachbarten Fußballplatz auch gleich ordentlich bespielt. Jonas erklärte sich bereit, währenddessen das Essen zuzubereiten. Besonders viel Kreativität erforderte der fehlende Deckel und der nicht vorhandene Nudelsieb. Geschmeckt hat’s (den Erwachsenen zumindest)!
 
Der Abend und die erste Nacht liegen noch vor uns - wir sind gespannt und berichten morgen wieder!
 
Statistische Daten der ersten Etappe (Linz-Grein):
Energieriegel: 18
reine Radzeit: 3:49
Kilometer: 63,38
Wetter: sonnig, kein Regen (juhu!!!), angenehme Temperaturen, etwas Gegenwind
Wagenzieher: Gabriel, Simon
Menü: Nudeln mit Pesto und Erdbeeren

Tag 2 (Dienstag)

Statistische Daten der zweiten Etappe (Grein -Rossatz)

Energieriegel: 23
reine Radzeit: 4:48
Kilometer: unerwartete 80,21 km
Wetter: sonnig, heiß, unerträglich, nachts eiskalt, viel Gegenwind
Wagenzieher Gabriel, Jonas, Toni
Menü: Pizzaservice!!
Motto des Tages: Wieviele Sachen können wir auf so einen Radwagen packen und wer will/kann ihn dann noch ziehen?

Je weiter der Weg, desto kürzer der Blog - wir sind müde und haben keinen Bock!
Erschöpfte Radgruppe - over & out!

Tag 3 (Mittwoch)

Heute Nacht wurden wir von einem Gewitter vollends zu Abenteurern gekürt. Der Regen prasselte, der Wind stürmte. Und zwar so, dass Johanna trotz massiven Regens immer wieder den Kopf aus dem Minizelt der Erwachsenen stecken musste, um nach der Verankerung des Zelts zu sehen und um sicherzugehen, dass es allen gut geht. Auf die Frage kam ein „Ja!“ und die Info, dass einer von den Radlern erschöpft in einen Tiefschlaf gefallen ist und von all der Aufregung nicht mal was mitbekommt.
Akustisch kann man sich die Nacht folgendermaßen vorstellen: lautes, fast lärmendes Regelnprasseln, aus dem Burschenzelt durch den Regen hindurch schallendes Gelächter und aufgeregte Wortmeldungen, Schlackern und Schlagen der Zeltplanen, entferntes Donnergrollen, Situationsanalyse und Beratungsgespräche aus dem Erwachsenenzelt, Reißverschluss auf - zu, etwas leichteres Regenprasseln, erleichtertes Aufatmen, leise Schnarchgeräusche ..
 
Auf dieses Abenteuer folgte ein überraschend erholsamer Schlaf und nach unserem improvisierten Porridge mit Original Wachauer Marillennektar starteten wir mit viel Energie in unseren dritten Tag. Zügig, mit Schwung und so manche E-Bike-Gruppe überholend erreichten wir schon früh unser Tagesziel - „14:00 Uhr und das Zelt steht“. Den Nachmittag konnten wir dann in vollen Zügen im Aubad genießen. Fußballspielen, Rutschen, TRETbootfahren - 53km Treten ist zu wenig für (inzwischen) Tretprofis ;-)
 
Statistische Daten der dritten (und vorletzten!!!!) Etappe (Rossatz-Tulln)
 
Energieriegel: -
reine Radzeit:  2:51 h
Kilometer: 53,11 km
Tempo: uuuurschnell (wir kommen Wien immer näher!)
Wetter: sonnig, ab und zu sogar Rückenwind 
Wagenzieher: Gabriel, Toni
Menü:  Käsespätzle - zu wenig :((
Motto: Unser Ziel ist schon soooo nah!!!
 

Tag 4 (Donnerstag)

Wenn man glaubt es geht nicht mehr (Regen), kommt von irgendwo noch mehr her.

Nach der stürmisch-gewittrigen Nacht in Rossatz waren wir durchaus froh, dass es für die letzte Nacht im Zelt kein Unwetter, sondern "nur mehr" Regen meldete. Schon fast routiniert wurde am Abend alles regenfest gemacht, als es dann auch schon zu tröpfeln begann - alles gut soweit .. Bis Johanna in der Nacht aufs Klo musste, den Reißverschluss des Erwachsenenzelts öffnete und ihren Augen kaum traute, als ihr Blick auf das Burschenzelt fiel - wobei ... "Zelt" war zu dem Zeitpunkt das falsche Wort: Aus dem vom Regen aufgeweichten Boden hatten sich Heringe gelöst, eine Stützstange war umgefallen und die Plane somit mehr eine Mischung aus Biwacksack und Decke als tatsächliches Zelt. In einer Nacht und Nebel (eigentlich eher Nacht und Regen) - Aktion bauten Theresa & Johanna im Taschenlampenschein das Zelt um die Kinder herum wieder auf. Das klingt jetzt einfacher als es war. Die Heringe wollten in der nassen Erde so gar nicht halten und es benötigte so einiges an Zeit, Spielerei und "Griffe in den Gatsch" bis das Zelt wieder stand und alle beruhigt (und im Falle der Erwachsenen: nass & dreckig) weiterschlafen konnten. Auf die Frage am nächsten Morgen, wie sie mit Zeltplane im Gesicht eigentlich weiterschlafen konnten und ob ihnen das Zusammenfallen des Zelts nicht aufgefallen sei, kam nur ein Schulterzucken und ein: "Doch, aber der Gabriel [unser Zeltbeauftragter] hat gesagt, man könne da jetzt eh nichts machen und wir sollen einfach weiterschlafen." Soviel zur Nacht..
Am nächsten Tag wurden dann Fahrräder trockengewischt, nasse Handtücher ausgewrungen, schmutzig-feuchte Satteltaschen abgewischt, Zelte geputzt und getrocknet, schlammiges Geschirr gewaschen, Porridge gekocht, nasse Schuhe bejammert, schlussendlich alles eingepackt und dann fröhlich und fast trocken losgeradelt.
"Und wenn man dann glaubt, es geht nicht noch mehr (Pech), kommt von irgendwo ein Dorn daher ... und verursacht einen Platten beim Reifen des Fahrradanhängers."
Aber kein Platten dieser Welt kann die Freie Schule - Radtruppe aufhalten.. schon gar nicht im Endspurt! Mit unglaublicher Ruhe, Zielstrebigkeit und Reifen-Flick-Kompetenz wurde im Teamwork der Wagen ausgeräumt, das Rad abmontiert, das Loch gesucht und gefunden, der Dorn entfernt und das Loch gepickt. Und dann ging´s in zügigem Tempo weiter der Bundeshauptstadt entgegen.
In Wien angekommen und somit vom Gefühl her eigentlich schon am Ziel, mussten wir uns dann noch dem letzten und an diesem Tag wahrscheinlich mühsamsten Teil der Strecke stellen: von der Donau zum Westbahnhof - STADTVERKEHR! Straßenbahnen, Autos, Baustellen, Radfahrer*innen, Fußgänger*innen, Zebrastreifen, Ampeln, noch mehr Autos - PUH! Theresa manövrierte uns und Jonas den Wagen durchs Stadtzentrum und so meisterten wir auch diesen wirklich nervenaufreibenden Teil vorbildlich. Erschöpft und erleichtert kamen wir bei Bitti im Kinderatelier an, wo wir unsere Räder parkten und mit Saft versorgt wurden. Und dann, bevors mit dem Zug wieder heimwärts ging, gabs den lang & heiß ersehnten und WOHLVERDIENTEN Sieges-Eisbecher! GESCHAFFT!

Statistische Daten der vierten und finalen Etappe (Tulln-Wien)
Energieriegel: unzählige, nicht mehr gezählte
reine Radzeit:  2:42 h
Kilometer: 44,15 km
Tempo: von fast Schritttempo im Wiener Stadtverkehr bis hin zu rasanten 30 km/h
Wetter: sonnig
Wagenzieher: Simon, Jonas
Menü:  riiiiiiiesiger & wohlverdienter Eisbecher
Motto: Wir haben´s geschafft!
Persönliche Worte einer stolzen Lernbegleiterin
Vielen Dank an die Eltern, die mir das Vertrauen geschenkt haben, dieses Projekt mit ihren Kindern durchzuführen! 
Ein großes Danke an Theresa, die neben ihren vielen Qualitäten unter anderem mit ihrem radspezifischen Fachwissen eine große Unterstützung war! 
Und last, but sicher nicht least - ein großes Danke an die fünf Radler! Ich bin so stolz, wie ihr dieses Abenteuer GEMEINSAM gemeistert habt: das Unwetter, den Platten, das Ziehen und ab und zu sogar Anschieben des Anhängers, das Auf- und Abbauen des Zelts, das Kochen, den Stadtverkehr, das Durchbeißen, wenns anstrengend/heiß/kalt/nass war, das Zusammenhelfen und Aufeinanderschauen.
 
Eine höchstzufriedene und vor allem unglaublich STOLZE Johanna
 

 
Statistische Daten der Radreise am Donrauradweg
 
Energieriegel: kein Überblick mehr, zu viele!
Strecke:  Linz (Freie Schule) - Wien (Westbahnhof)
Kilometer: 240,85 km
Radler*innen: Jonas, Simon, Florian, Toni, Gabriel, Theresa & Johanna
Wetter: tagsüber sonnig, nachts kalt und/oder nass
Essen: selbstgekocht, bestellt, meistens zu wenig
Budget:  80€ pro Person (20€ WENIGER als ursprünglich geplant!)
Blog-Schreiberin: Johanna (inspiriert und kommentiert vom Rest)

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